Die Klimakönner zu Besuch im Göttinger XLab

Am 11. März 2022 stand für uns Teilnehmer:innen der AG Können wir Klimaschutz erstreiten? endlich die lang ersehnte Exkursion an. Diese führte uns in das XLAB, das naturwissenschaftliche Schülerlabor der Universität Göttingen. Die Projekthilfskräfte Mareile Steinsiek (Geographie) und Nils Hanne (Jura) holten uns am Bahnhof ab. 

Am XLAB wurden wir dann von Frau Prof. Dr. Schwerdtfeger empfangen und zum ersten Mal in Präsenz begrüßt. Schon von außen war das Gebäude des XLAB aufgrund seiner bunten Farben ein Hingucker, und in der zweiten Etage warteten einige spannende Experimente rund um das Thema Klimawandel auf die uns.

Unter Leitung von Herrn Dr. Dirk Gries, der am XLAB Dozent für Ökologie und Stoffwechsel ist, fand zunächst eine einführende Wissensabfrage statt. Herr Dr. Gries veranschaulichte komplexe Sachverhalte wie die Wärmeabstrahlung der Erde in Zusammenhang mit dem Treibhauseffekt durch Alltagsbeispiele: die Wärmeabstrahlung eines Backofens, einer Heizung oder auch einer Kerze. Im gleichen Atemzug wurde auch zurückgeschaut: „Seit wann sind denn Veränderungen beim Treibhauseffekt durch einen vermehrten CO2-Ausstoß feststellbar?“, fragte Herr Gries. Die Antworten reichten von der Entdeckung des Feuers bis hin zur Erfindung des dieselbetriebenen Kraftfahrzeugs. Schließlich waren wir uns einig, dass der Bau der ersten Fabriken, also der Beginn der Industrialisierung ab Ende des 18. Jahrhunderts, den ausschlaggebenden Zeitpunkt darstellte.

Nach dem thematischen Einstieg ging es mit dem lang ersehnten Experimentieren los. Dabei durchliefen wir in Teams nacheinander vier Experimente, die die Ursachen und die Auswirkungen des Treibhauseffektes greifbar machen sollten. Jedes Experiment wurde von einem Wissenschaftler des XLAB unterstützt. Dabei wurde besonderer Wert auf die Wissenschaftlichkeit gelegt, indem etwa Vergleichs- und Probemessungen stattfanden.

In einem Experiment untersuchten wir die Wärmedurchlässigkeit von Kohlenstoffdioxid im Vergleich zu Stickstoff, dem in der Atmosphäre dominierenden Gas. Wir waren überrascht, dass sich durch eine Wärmelampe bereits nach wenigen Minuten das luftdicht abgeschlossene Gefäß mit CO2 um mehr als 1° C stärker als das Gefäß mit Stickstoff erwärmt hatte.

An anderer Stelle im Labor beobachteten wir die unterschiedliche Wärmeentwicklung schwarzer und weißer Oberflächen, die durch eine LED-Lampe beleuchtet wurden. Mit den eigenen Händen konnten dabei beispielsweise veränderte Bewölkungsgrade simuliert und ein Abkühlen der Oberflächen festgestellt werden.

Die Klimaauswirkungen auf die Weltmeere und andere Gewässer beleuchteten wir in einem weiteren Experiment: Wir leiteten verschiedene Gase in einen mit Wasser gefüllten Behälter ein und stellten fest, dass diese unterschiedlich viel Wasser verdrängen, also unterschiedliche Auswirkungen auf den Anstieg des Meeresspiegels haben. Doch bei diesen Auswirkungen bleibt es nicht, wie die wir direkt nebenan erfahren konnten. Eine Übersäuerung der Meere durch immer mehr im Wasser gespeichertes Kohlenstoffdioxid kann die dort lebenden Organismen schädigen. Veranschaulicht wurde dies durch Muscheln und Steine, die durch das Beträufeln mit Säure sofort anfingen zu schäumen und sich aufzulösen.

Auch Gegenmaßnahmen wurden analysiert: Wie kann es gelingen, mehr CO2 zu binden und gleichzeitig mehr Sauerstoff freizusetzen? Unsere Experimentierteams beobachteten unter ausführlicher Erklärung von Herrn Dr. Gries bei einem vierten Experiment die veränderte Fotosyntheseleistung von Pflanzen bei unterschiedlicher Beleuchtung und verschiedenen CO2-Konzentrationen in der Umgebungsluft.

Abschließend hat Herr Dr. Gries uns noch gebeten, Kritik zu äußern und Verbesserungsvorschläge zu machen. Wir waren aber insbesondere von den Experimenten total begeistert und würden gerne wiederkommen!

Unsere vielen neue Erkenntnisse und Eindrücke konnten bei der anschließenden gemeinsamen Erkundung des Göttinger Nordcampus im Rahmen eines Quiz verarbeitet und noch vertieft werden. Unter der Anleitung der angehenden Pädagogin Mareile Steinsiek besichtigten wir die auf dem Campus angesiedelten riesigen Forschungsgebäude der dortigen Fakultäten und Institutionen – beispielsweise des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung, der Fakultät für Physik oder auch der Fakultät für Chemie. 

Dabei konnten wir durch Beantwortung von Quizfragen zum Thema Klimaschutz Buchstabenkarten sammeln. Diese ergaben nach Beantwortung aller elf Fragen ein Lösungswort. Gefragt wurde beispielsweise, was eine CO2-Senke sei oder auch – unmittelbar anknüpfend an das zuvor beim Experimentieren Erlernte – wieso es im Wald kälter ist als außerhalb. Die gesammelten Buchstabenkarten puzzelten wir zum Abschluss unter erschwerten Bedingungen (es wehte ein rauer Wind) gemeinsam zusammen zu dem Wort: K L I M A K Ö N N E R.

Auf der Rückfahrt zum Bahnhof und weiter nach Hildesheim wir „Klimakönner“ uns trotz aller Erschöpfung nach einem spannenden Tag noch lange über die Experimente und die dabei entstandenen Bilder aus.

Klimakönner im XLAB Göttingen

Die Experimente haben mir sehr gut dabei geholfen, mir den Treibhauseffekt besser vorstellen zu können. Emilia, 6M

Die Experimente waren interessant, die Zeit war teilweise zu kurz. Kasimir, 5L1

Die Experimente haben Spaß gemacht, die Deutsche Bahn war sehr unzuverlässig. Mika, 6L1

Ich hätte gerne alle Experimente durchgeführt, die Pizza war lecker. Lennart, 5L1

Ich hatte Spaß! Kai, 5L1

Die Experimente waren cool, aber manchmal etwas lang. Die Campusführung war super. Nelli, 5M

Ich fand’s auch gut, die Fahrt mit den verschiedenen Zügen war cool. Nico, 5L1

Die Experimente waren toll, die Zugfahrten waren lustig. Johanna, 6M

Zweites Projektjahr: Nun sind die Schüler:innen der Jahrgänge 5 bis 7 aktiv!

In den ersten Stunden des neuen Schuljahres haben wir uns mit einigen Ursachen des Klimawandels beschäftigt. Dabei haben wir insbesondere den anthropogenen Treibhauseffekt in den Blick genommen und dazu verschiedene Experimente durchgeführt:

Steigt die Temperatur unter einer Glasglocke schneller und weiter an, wenn sie mit Kohlenstoffdioxid gefüllt ist?

Wir konnten feststellen, dass die Temperatur schneller und ca. 4°C höher angestiegen ist.

Schmilzt ein Eisblock schneller, wenn er sich in einer Atmosphäre mit höherem Kohlenstoffdioxidgehalt befindet? Dafür haben wir 3 gleich große und gleich schwere Eiswürfel jeweils auf einem Teller platziert. Den ersten Eiswürfel haben wir nicht abgedeckt, über den zweiten haben wir ein Becherglas gestellt und über den dritten ein mit Kohlenstoffdioxid gefülltes Becherglas. Der dritte Eiswürfel ist am schnellsten geschmolzen, dann der zweite und am langsamsten der ohne Abdeckung.

Die Atmosphäre ermöglicht erst ein Leben auf der Erde, da der natürliche Treibhauseffekt dafür sorgt, dass auf der Erdoberfläche durchschnittlich +15°C herrschen. Wird der Kohlenstoffdioxidgehalt zu hoch, so heizt sich die Erde jedoch immer weiter auf. Dies führt z.B. zum Abschmelzen der Gletscher und der Arktis bzw. Antarktis.

Daraus hat sich unsere nächste Forschungsfrage ergeben:

Hat das Abschmelzen der festen Eismassen am Nordpol die selben Auswirkungen wie am Südpol?

Nordpol: Das Eis schwimmt, es befindet sich im Wasser

Südpol: Das feste Eis befindet sich auf Land

Nach dem Schmelzen der Eisblöcke ist der Wasserpegel im linken Becherglas (Südpol) um 150 mL angestiegen. Im rechten Becherglas (Nordpol) hat sich der Wasserpegel nicht verändert.

Schmilzt das Eis am Südpol, so fließt es vom Land ins tiefer liegende Meer. Der Meeresspiegel steigt. Das meiste Eis am Nordpol befindet sich eh schon im Wasser. Bei dem Eis, das schon im / unter Wasser ist, ist es ganz egal ob es fest oder flüssig ist: Der Meeresspiegel wird dort durch das Schmelzen nicht steigen.

Andreaner:innen gewinnen die Video Challenge des bundesweiten Our Common Future Kongresses

Am Samstag war es endlich soweit: Alle Teilnehmer:innen des 3. Our Common Future Kongresses konnten bis 11 Uhr für ihr Favoritenvideo abstimmen. Drei Kriterien sollten bei der Bewertung berücksichtigt werden:

  1. Anschaulichkeit und Nachvollziehbarkeit in der Vermittlung der Projektinhalte
  2. Kreative Gestaltung
  3. Einhaltung der 60 Sekunden Vorgabe

Mittags stieg die Spannung deutlich, denn nun wurden die Gewinnerprojekte bekanntgegeben. Mit dem 3. Platz wurde das Projektvideo Klimawandel in Rüsselsheim und seine Auswirkungen auf Lebewesenausgezeichnet. Der 2. Platz ging an das Video aus Leipzig: Nutzpflanzenanbau unter Photovoltaikanlagen

„Und der Gewinner der Video-Challenge ist … das Gymnasium Andreanum aus Hildesheim!!“

Und dies ist unser Preis: Alle Schüler:innen des Seminarfachs Können wir Klimaschutz erstreiten (gefördert von der Robert Bosch Stiftung) nehmen am 28.06. an einem Workshop über Videoerstellung für Wissenschaftskommunikation im Internet mit dem Science-YouTuber und Wissenschaftler Jacob von Breaking Lab teil. Und nun wollen wir euch und Sie nicht länger auf die Folter spannen

3. Our Common Future Jugendkongress der Robert Bosch Stiftung

Eigentlich sollten die Teilnehmer:innen des Seminarfachs Können wir Klimaschutz erstreiten jetzt alle gemeinsam im Zug nach Berlin sitzen – bepackt mit Postern, einem selbst erstellten Kurzfilm und vor allem mit viel Vorfreude auf einen wissenschaftlichen Austausch mit Schüler:innen, Lehrerkräften und Wissenschaftler:innen aus ganz Deutschland. So die Planung – doch zu Beginn des Jahres zeigt sich bereits, dass der Kongress in Präsenz so nicht realisierbar sein würde. Und so begeben wir uns eben vom 06. – 08. Mai 2021 in Glasfasergeschwindigkeit virtuell auf die Reise.

Neben wissenschaftlichen Vorträgen haben wir am Donnerstag die Möglichkeit an verschiedenen Workshops teilzunehmen. Das Präsentationstraining – Wie trete ich überzeugend auf ist dabei eine von vielen Optionen.

Die Lehrkräfte und Wissenschaftler:innen können sich u.a. über Erfolgreiche Teamarbeit in Kooperationsprojekten – Stolpersteine und Wegbereiter informieren. Doch im Mittelpunkt des digitalen Kongresses stehen natürlich die von der Robert Bosch Stiftung geförderten Kooperationsprojekte. Der Freitag beginnt mit einem Markt der Projekte: Meet the Young Experts.

In den vergangenen Wochen haben wir uns intensiv mit der Gestaltung unseres Projektraumes beschäftigt: Ein passender Hintergrund musste ausgewählt, ein Kurzfilm von 60 Sekunden erstellt und ein Poster entworfen werden. Unser selbst entworfenes Logo rundet die Präsentation ab. In unserem Projektraum werden wir u.a. über naturwissenschaftliche Erkenntnisse und Herausforderungen des Klimaschutzes und die daraus resultierenden juristischen Handlungsoptionen wie z.B. Klimaklagen diskutieren. Die Interdisziplinarität unseres Projektes ist uns hierbei besonders wichtig.

Im Anschluss können wir erneut zwischen vielen interessanten Optionen wählen – hier stehen z.B. Workshops zu den Themen Umweltgerechtigkeit, nachhaltige globale Lieferketten, Ozeane im Klimawandel und die Biodiversität in der Landwirtschaft zur Auswahl. Am Samstag folgt zum Abschluss ein weiteres Highlight: Die Live-Videoschalte zur Neumayer-Station III in der Antarktis.

Was ist eigentlich Bürger*innenbeteiligung? Eine politikwissenschaftliche Suche nach Antworten – und den richtigen Fragen!

Bürger*innenbeteiligung ist in einer Demokratie unerlässlich. Allerdings erschöpft sich die Beteiligung der Bürger*innen nicht in den periodisch stattfindenden Wahlen auf den verschiedenen Ebenen (kommunale, Landes-, Bundes- und europäische Ebene). Es werden weitere Methoden einer direkten und indirekten Beteiligung der Bürger*innen eingesetzt, um die Chance auf eine bessere Akzeptanz der Maßnahmen staatlicher Akteure und die Einbeziehung unterschiedlicher Perspektiven zu gewährleisten.

Die Politikwissenschaft erforscht, welche Motive, Formen und Argumente bei der Bürger*innenbeteiligung eine Rolle spielen. Insbesondere Maßnahmen, die sich nachteilig auf die Umwelt (und das Klima) auswirken können, wie die Aufstellung von Netzentwicklungsplänen, werden heutzutage unter einer breiten Beteiligung auch der Bürger*innen erarbeitet und öffentlich zur Diskussion gestellt. Welche Motive liegen einer solchen Bürger*innenbeteiligung zugrunde? Welche Formen der Beteiligung existieren? Welche Art von Argumenten bringen die Bürger*innen vor? Diese Fragen bilden einen Schwerpunkt der Forschung des Göttinger Politikwissenschaftlers Prof. Dr. Simon Fink.

Am 11. Februar 2021 hatten die Schüler*innen unseres Projektes Gelegenheit, gemeinsam mit Herrn Fink Antworten auf diese Fragen zu finden und ein Gespür dafür zu entwickeln, die richtigen Fragen zu stellen. Im Rahmen eines interaktiven Workshops – der pandemiebedingt erneut in Gestalt einer Videokonferenz durchgeführt wurde – erhielten die Schüler*innen eine spannende Einführung in politikwissenschaftliche Methoden und Einblicke in die Ergebnisse von Herrn Finks Forschung zur Öffentlichkeitsbeteiligung bei Netzentwicklungsplänen in Deutschland. Die Videokonferenz gliederte sich in drei Teile zu den folgenden Themenkomplexen:

1. Motive für Bürger*innenbeteiligung

2. Formen und Beispiele für Bürger*innenbeteiligung

3. Argumente der Bürger*innen und ihre wissenschaftliche Auswertung 

Theoretische Grundlegung durch Herrn Fink wechselten sich mit Gruppenarbeiten der Schüler*innen und Diskussionsrunden ab, in denen es auch darum ging, auf der Suche nach Antworten zunächst die richtigen Fragen zu stellen.

1. Motive

Im ersten Teil wurde die Frage diskutiert „Warum sollte man Bürger*innen an Entscheidungsprozessen beteiligen?“.

Die Schüler*innen sammelten in Gruppenarbeiten eine Vielzahl von Argumenten: Eröffnung verschiedener Perspektiven für die Entscheidungsträger, Abbildung der Vielfalt von Meinungen, Praxisrelevanz, Wahrung der Nähe zum eigentlichen Geschehen, besseres „Marketing“ der Entscheidungen, Äußerungsmöglichkeiten von Betroffenen in der Demokratie, Integration, Transparenz, Prävention von Unzufriedenheiten und Schaffung einer „glücklicheren“ Gesellschaft

Zur Einordnung der gesammelten Argumente rückte Herr Fink insbesondere den Begriff der Legitimität von Herrschaft nach Max Weber in den Vordergrund und die Unterscheidung zwischen Input- und Output-Legitimität. Anhand einer 4-Felder-Tabelle, die das Vorhandensein bzw. das Fehlen von Input- und Output-Legitimität gegenüberstellte, diskutierten die Schüler*innen mit Herrn Fink verschiedene Beispiele aus der Praxis. So wurde etwa der Brexit als ein Beispiel für eine hohe Input-Legitimität mit schlechtem Output genannt und Nordkorea als ein politisches System mit geringer Input- und Output- Legitimität.

2. Formen und Beispiele

Im zweiten Teil beschäftigten sich die Schüler*innen mit der Frage, nach welchen Kriterien Maßnahmen der Bürger*innenbeteiligung bewertet werden können. Dazu stellte Herr Fink den Ansatz von Graham Smith vor, der als Bewertungskriterien „Inclusiveness“, „Popular control“, „Considered judgment“ und „Transparency“ entwickelt hat. Nach einer theoretischen Einführung konnten die Schüler*innen selbst anhand der aktuellen Beispiele „Netzentwicklungspläne“ und „Bürgerräte“ die durchgeführte Öffentlichkeitsbeteiligung bewerten und Folgefragen sammeln, die sich bei dieser Analyse stellten.

Beispielweise fiel bei der Öffentlichkeitsbeteiligung zu den Netzentwicklungsplänen zum Punkt „Inclusiveness“ auf, dass es möglichweiser technische Hürden für ältere Personen und Personen ohne Internetzugang gibt, da die Informationen im Netz bereitgestellt wurden. Zum Punkt der „Transparency“ merkten die Schüler*innen etwa an, dass im Verfahren unklar bleibe, inwiefern die Argumente der Bürger*innen tatsächlich Auswirkungen auf die Pläne hätten.

Hinsichtlich der Beteiligung über Bürgerräte wurde deutlich, dass auch eine Gruppe von Personen, die zufällig und repräsentativ z.B. hinsichtlich Alter und Vermögen zusammengesetzt wird, die Gesamtbevölkerung nicht vollständig abbilden kann.

3. Argumente der Bürger*innen und ihre wissenschaftliche Auswertung

Im dritten Teil stellte Herr Fink den Schüler*innen seine eigene Forschung zur Öffentlichkeitsbeteiligung bei Netzentwicklungspläne vor. Hierbei legte er einen besonderen Fokus auf die Vermittlung der wissenschaftlichen Herangehensweise. Für seine Forschung hat Herr Fink 35.000 Eingaben von Bürger*innen ausgewertet und kategorisiert. Im Rahmen der Auswertung konnte er feststellen, dass die meisten Einwände der Bürger*innen gegen die Netzentwicklungspläne technischer Natur waren. Diese Häufung führte er darauf zurück, dass die Bürger*innen auf ein technisches Problem (und technische Sprache in den Netzentwicklungsplänen) ebenfalls mit technischen Argumenten antworteten. Die Schüler*innen diskutierten mit Herrn Fink ebenfalls die Probleme und Chancen der manuellen Auswertung sowie der Auswertung durch Algorithmen. Beispielsweise sei eine Auswertung von handschriftlichen Eingaben praktisch nicht zu realisieren. In einem Vergleich der händischen mit der computergestützten Auswertung hatte Herr Fink zudem feststellen können, dass politische Argumente aufgrund ihrer Vielschichtigkeit besonders schwierig zu erfassen sind.

Was macht eigentlich eine wissenschaftliche Arbeit aus?

Am 25. Januar 2021 begann für die Schüler*innen die Bearbeitungszeit für ihre Facharbeiten. In diesen werden sie sieben Wochen lang Themen an der Schnittstelle zwischen Naturwissenschaften und Rechtswissenschaft unter Einbeziehung weiterer Disziplinen näher untersuchen und Antworten zum Beispiel auf die folgenden Fragen suchen:

  • Führt das Pariser Klimaschutzabkommen zu mehr Klimagerechtigkeit?
  • Wie ist die sog. Aarhus-Konvention entstanden, und wie steht es um ihre Umsetzung in Deutschland?
  • Welche Rolle spielt die Elektromobilität im Kampf gegen den Klimawandel – Kann Deutschland hier von Norwegen lernen?
  • Kann die Brennstoffzelle konventionelle Verbrenner flächendeckend ablösen?
  • Wie wirkt sich der Tourismus auf den Klimawandel aus?
  • Wie hat sich unsere Mobilität in Zeiten der Pandemie entwickelt?
  • Wie beeinflussen sich der Klimawandel und die Wälder gegenseitig?
  • Wie wirkt sich der Anstieg des Meeresspiegels auf Inselstaaten und Küstenregionen aus? 
  • Welchen Beitrag können Tiny Houses zum Klimaschutz leisten?

Zur Vorbereitung fanden im Januar zwei Veranstaltungen zur Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten statt – aufgrund der aktuellen Pandemie-Situation erneut als Videokonferenzen. 

Zunächst konnten die Schüler*innen an dem vom YLAB – Geisteswissenschaftliches Schülerlabor der Georg-August-Universität Göttingen angebotenen Intensivtutorium Facharbeit „Wissenschaftliches Schreiben“ teilnehmen, das von einer Studentin durchgeführt wurde.

Zu Beginn des Kurses wurde darüber gesprochen, was das Ziel einer Facharbeit ist. Im Anschluss hieran sammelten die Schüler*innen über das interaktive Online-Programm AnswerGarden, was sie unter wissenschaftlichem Arbeiten verstehen. Ausgehend hiervon wurden die wesentlichen Standards des wissenschaftlichen Arbeitens ermittelt und Systematik, Objektivität, Eigenständigkeit sowie Präzision als wesentliche Charakteristika wissenschaftlichen Arbeitens erläutert. 

Der nächste Teil des Kurses widmete sich dem Zeitmanagement während der Facharbeit. Die Schüler*innen konnten via Zoom in eine Tabelle eintragen, wie viel Prozent sie von ihrer Zeit für welchen Arbeitsphase verwenden würden. Als relevante Phasen einer Facharbeit wurden unter anderem die Informations- und Materialsammlung, die Entwurfsphase, die Ausformulierung, die Korrekturphase und eine zeitliche Reserve genannt. Im anschließenden Vergleich der Ergebnisse konnten die Schüler*innen große Übereinstimmungen mit der vom YLAB vorgeschlagenen idealen Zeiteinteilung feststellen.

Im Hauptteil des Kurses standen der Aufbau einer Facharbeit und ihre Bestandteile im Fokus (Deckblatt, Inhaltsverzeichnis, Einleitung, Hauptteil, Zusammenfassung, Literaturverzeichnis, Eigenständigkeitserklärung). Hierbei wurden insbesondere die jeweiligen Funktionen der Einleitung, des Hauptteils, der Zusammenfassung und des Literaturverzeichnisses näher beleuchtet. Die Kursleiterin betonte, wie wichtig ein stets erkennbarer roter Faden sei, und gab Tipps, wie ein solcher durch die Arbeit hindurch gewährleistet werden kann. Ausgehend vom Literaturverzeichnis wurden verschiedene Literaturgattungen voneinander abgegrenzt. Die Schüler*innen erläuterten zusammen mit der Kursleiterin, was Monographien, Sammelbände, Aufsätze in Sammelbänden und Aufsätze in Zeitschriften voneinander unterscheidet und wie diese in das Literaturverzeichnis aufzunehmen sind. Hierzu erhielten die Schüler*innen eine anschauliche Übersicht. Sie hatten die Aufgabe, den Unterschied zwischen Primär- und Sekundärliteratur zu erklären. Außerdem wurde der Unterschied zwischen direkten und indirekten Zitaten erläutert und wie diese im Text zu zitieren sind. Auch zum Zitieren unter Verwendung von Fußnoten wurde den Schüler*innen noch ein Merkblatt zur Verfügung gestellt. Das Gelernte konnten die Schüler*innen an drei verschiedenen Beispielen üben. Die Kursleiterin gab außerdem noch einige Hinweise zum Stil einer wissenschaftlichen Arbeit, zur Verwendung von Konjunktionen sowie zur Vermeidung von Pleonasmen und Füllwörtern. Zum Abschluss dieses Teils konnten die Schüler*innen ihr Wissen durch ein Quiz überprüfen.

Der letzte Teil widmete sich dem Ablauf einer Recherche. Die Kursleiterin behandelte sowohl die Internetrecherche als auch die über die verschiedenen Angebote der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen mögliche Literaturrecherche. Zur Internetrecherche wurde gezeigt, wie man die online-Suche durch Setzen von Zeichen (+, -, und, oder) verfeinern kann. Dies wurde am Beispiel des Facharbeitsthemas einer Schülerin zu Tiny Houses veranschaulicht. Als Ergänzungen zur Recherche über Google wurden die Seiten base-search.net und Metager.de vorgestellt. In einer Gruppenübung bewerteten die Schüler*innen, ob sich verschiedene Webseiten zum Zitieren in wissenschaftlichen Arbeiten eignen, und arbeiteten hierfür geeignete Kriterien heraus (Betreiber, Aktualität, Existenz von Belegen, Objektivität). Der Fokus der Einführung in die Literaturrecherche der SUB lag auf den Funktionen des Göttinger Universitätskatalogs (GUK). Die Kursleiterin erläuterte etwa, wie die Suche durch eine Beschränkung auf einzelne Wörter, ausgewählte Teilbibliotheken oder bestimmte Quellenarten präzisiert werden kann.

Und welche Besonderheiten gelten bei einer rechtswissenschaftlichen Arbeit?

Eine Woche nach dem online-Kurs im YLAB erhielten die Schüler*innen von Frau Dr. Sabine Hohmann-Fricke vom EDV-Zentrum der Juristischen Fakultät der Universität Göttingen dann noch eine Einführung in die Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens in der Rechtswissenschaft. 

Zu Beginn sollten die Schüler*innen ihren aktuellen Wissensstand einschätzen: Kennen sie sich mit der relevanten Literatur aus? Können sie zwischen den verschiedenen Arten von Quellen unterscheiden? Haben sie schon jetzt ausreichend Literatur gesammelt? Wie vertraut sind ihnen die formalen Kriterien einer wissenschaftlichen Arbeit? 

Zunächst stellte Frau Hohmann-Fricke verschiedene juristische Quellen vor: Gesetze,  Rechtsprechung, Lehrbücher, Monographien, Kommentare und Zeitschriften. Die Schüler*innen erfuhren unter anderem, wo sie Gesetze online finden können. Außerdem lernten sie die Bedeutung von (höchst)richterlichen Entscheidungen kennen. Zum Auffinden maßgeblicher Gerichtsentscheidungen stellte ihnen Frau Hohmann-Fricke ebenfalls einschlägige online-Seiten vor. Um den Schüler*innen die Suche zu vereinfachen, wurden ihnen die Abkürzungen für die bedeutendsten deutschen Gerichte genannt. Die juristischen Kommentare veranschaulichte Frau Hohmann-Fricke als „Enzyklopädien“ der Rechtswissenschaft. Die Relevanz von Zeitschriftenaufsätzen für aktuelle Fragestellungen wurde anhand von Beiträgen mit Bezug zu Facharbeitsthemen der Schüler*innen veranschaulicht, z.B. „Das Recht der Energiewende“, „Turbulenzen um eine heranrückende Windenergieanlage“ „Klimaschutz und Grundrechte“, „Emissionshandel“, „Demokratie und Klimawandel“.

Der nächste Abschnitt widmete sich den Datenbankangeboten der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (SUB). Einleitend erläuterte Frau Hohmann-Fricke die sog. CRAAP-Methode zur Bewertung von (Internet-)Quellen. Die Abkürzung CRAAP steht für Currency (Aktualität der Quelle), Relevance (Relevanz der Quelle), Authority (Sachkunde des Autors), Accuray (Fakten, Quellenbelege, Schlüssigkeit) sowie Purpose (Zweck der Quelle). Dann stellte Frau Hohmann-Fricke das Datenbank-Informationssystem (DBIS) vor, eine Sammlung wissenschaftlicher Datenbanken aller Fachgebiete, und erläuterte, wie sich die Schüler*innen mithilfe dieses Angebotes schnell einen Überblick über relevante Aspekte ihrer Facharbeitsthemen verschaffen können, z.B. über ein „Lieferkettengesetz“. Auf diese Weise lernten die Schüler*innen auch die wichtigen juristischen Datenbanken beck-online und juris kennen.

Der letzte Abschnitt drehte sich ganz um die Frage, wie „juristisch“ richtig zitiert wird. Es wurde noch einmal der Unterschied zwischen direkten und indirekten Zitaten sowie zwischen Primär- und Sekundärquellen thematisiert. Sodann erläuterte Frau Hohmann-Fricke, welche Einzelangaben ein Literaturbeleg enthalten muss. Anschließend wurde die Kurzbeleg-Methode in Fußnoten erklärt, die in Verbindung mit einem Literaturverzeichnis verwendet werden kann. In diesem Kontext ging Frau Hohmann-Fricke auch auf den Inhalt eines Literaturverzeichnisses ein. Abschließend wurde detailliert die Zitation der verschiedenen juristischen Quellen vom Beginn des Kurses besprochen. Auch erfuhren die Schüler*innen, wie Gesetze im Text der eigenen Arbeit darzustellen sind und wie Paragraphenketten aussehen. Nachdem einige Beispiele durchgespielt wurden, erhielten die Schüler*innen noch ein Hinweisblatt zum juristischen Zitieren.